2020 Frühjahrssemester

ORTE SCHAFFEN

ist ein Projekt für den Dialog zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Handwerk, Architektur und anderen Disziplinen. Die Kernidee besteht darin, Räume zu schaffen, die einen unmittelbaren Bezug zu ihren Bewohnern haben. Wir vertreten die Überzeugung, dass der Mensch erst aus dem Überschaubaren heraus fähig und bereit ist, wirksame Motivationen zu entwickeln und schlussendlich Verantwortung für den eigenen Ort und für die Umwelt zu übernehmen.Dabei sind wir uns bewusst, dass dieses Überschaubare nicht für alle Aspekte der menschlichen Existenz in dieser Welt steht. Das Projekt Orte schaffen will an spezifischen Themen forschen, die uns bewegen und die als verantwortlich für die Vernichtung von Differenzen und kultureller Vielfalt betrachtet werden. Die Kooperation zwischen Forschern, Spezialisten aus den verschiedensten Fachgebieten, Lehrern und Studierenden, Planern und Entscheidungsträgern wird gesucht und soll möglichst konkret und praxisorientiert sein. ist ein Projekt für den Dialog zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Handwerk, Architektur und anderen Disziplinen. Die Kernidee besteht darin, Räume zu schaffen, die einen unmittelbaren Bezug zu ihren Bewohnern haben. Wir vertreten die Überzeugung, dass der Mensch erst aus dem Überschaubaren heraus fähig und bereit ist, wirksame Motivationen zu entwickeln und schlussendlich Verantwortung für den eigenen Ort und für die Umwelt zu übernehmen. Dabei sind wir uns bewusst, dass dieses Überschaubare nicht für alle Aspekte der menschlichen Existenz in dieser Welt steht. Das Projekt Orte schaffen will an spezifischen Themen forschen, die uns bewegen und die als verantwortlich für die Vernichtung von Differenzen und kultureller Vielfalt betrachtet werden. Die Kooperation zwischen Forschern, Spezialisten aus den verschiedensten Fachgebieten, Lehrern und Studierenden, Planern und Entscheidungsträgern wird gesucht und soll möglichst konkret und praxisorientiert sein. ist ein Projekt für den Dialog zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Handwerk, Architektur und anderen Disziplinen. Die Kernidee besteht darin, Räume zu schaffen, die einen unmittelbaren Bezug zu ihren Bewohnern haben. Wir vertreten die Überzeugung, dass der Mensch erst aus dem Überschaubaren heraus fähig und bereit ist, wirksame Motivationen zu entwickeln und schlussendlich Verantwortung für den eigenen Ort und für die Umwelt zu übernehmen.Dabei sind wir uns bewusst, dass dieses Überschaubare nicht für alle Aspekte der menschlichen Existenz in dieser Welt steht. Das Projekt Orte schaffen will an spezifischen Themen forschen, die uns bewegen und die als verantwortlich für die Vernichtung von Differenzen und kultureller Vielfalt betrachtet werden. Die Kooperation zwischen Forschern, Spezialisten aus den verschiedensten Fachgebieten, Lehrern und Studierenden, Planern und Entscheidungsträgern wird gesucht und soll möglichst konkret und praxisorientiert sein.

 ORTE SCHAFFEN XXII | FS 20 

Architektur am Stadtrand 
Ilanz – die erste Stadt am Rhein 

Ilanz ist die erste Stadt am Rhein. Die Stadt liegt in einer muldenförmigen Landschaft, im Schnittpunkt verschiedener Täler eingebettet. Aus städtebaulicher Sicht erfuhr Ilanz anfangs des 20. Jahrhunderts eine grosse Veränderung. Die Rhätische Bahn begünstigte die Zuwanderung und die Niederlassung öffentlicher Institutionen. Ilanz wurde zum regionalen Zentrum der Surselva. Die grösste politische Veränderung erfuhr die Stadt als sie vor einigen Jahren ihre Eigenständigkeit als Gemeinwesen aufgab. Ilanz ist nun das Verwaltungszentrum der zusammen mit zwölf Gemeinden der Umgebung neu gebildeten Grossgemeinde Ilanz/Glion.

Im Herbstsemester 2019 hat uns die Frage interessiert, ob eine andere Art von öffentlichem Raum die neue Gemeinde politisch, sozial und kulturell stützen und zu einem Ort des Dialogs und der Gemeinschaftsbildung werden kann. Wir sind im Entwurf bewusst von einem Raum und nicht von einem Platz ausgegangen. Um diesem Ereignisraum Halt zu geben, wurde er in der Folge mit wichtigen Bauten für die Öffent lichkeit ergänzt. Im Entwurfsprozess hat sich bestätigt, dass in einem aus städtebaulicher Sicht schwachen Ambiente nur ein starkes Ensemble – eine Architektur, die Autonomie ausstrahlt – Wesentliches erwirken kann. Ensembles und kräftige Bauten gehören zu jeder Stadt, zu jedem Dorf. In deren Beziehung wird das in der Regel chaotische Dazwischen relativiert. Ein Ort ist nie eine Ganzheit oder anders formuliert: Widersprüche, Ausgrenzungen, Schwellen gibt es in jedem Ort.

Ilanz verfügt wie die meisten gewachsenen Ortschaften über eine gepflegte und kompakte Mitte – die Altstadt. Um diesen Kern herum ist ein aus planerischer Sicht unmotivierter Gürtel aus Bildungsinstitutionen, Dienstleistungsbetrieben, Einkaufsläden und Industriebauten entstanden. In den umliegenden Dörfern zeigt sich ein ähnliches Bild. Jede Gemeinde wollte wachsen und möglichst viele Bewohner anziehen, kontinuierlich wurde Land eingezont. Entstanden sind vor allem Zweitwohnungen und Einfamilienhäuser. Es fehlte die Sicht auf ein Gemeinwohl. Durch das stete Einzonen von Bauland wurde nicht dort gebaut, wo es am sinnvollsten wäre, sondern an Orten, an denen Bauland erhältlich und für individuelle Absichten attraktiv war. Eine unterlassene Planung und eine kommerzielle Kraft waren die entscheidenden Verursacher.

Der weit verbreiteten Haltung die Stadtkerne zu schützen, wohingegen am Rand vieles erlaubt ist, wollen wir mit unseren Entwürfen entgegenwirken. Wir planen Architekturen an strategisch wichtigen Situationen mit dem Ziel starke Wirkungen in sich und nach aussen zu schaffen. Wir wollen damit ein Interesse für eine sorgfältige Stadtentwicklung erreichen und den politischen Diskurs fördern – einen Föderalismus, der in der fusionierten Gemeinde aus Stadt und umliegenden Dörfern raumplanerische und architektonische Ziele und Ansprüche hat.

Wir entwerfen eine Wohnsiedlung, ein Ensemble aus Werkstätten, eine Talstation zum Bündner Rigi und einen Industriebau für die Produktion alternativer Energie. Die Bauten stehen in verschiedenen Distanzen zur historischen Altstadt.

Wir finden Ideen und untersuchen welche Mittel das Entwerfen unterstützen. Fachspezialisten tragen zu einer Transdisziplinarität bei, die verschiedene Wege zu einem gleichen oder gemeinsamen Ziel ermöglicht. Es geht weniger darum Wissenslücken zu füllen als vielmehr die Disziplin der Architektur zu fördern.
Philip Ursprung schreibt in seinem Buch Der Wert der Oberfläche über die Zusammenarbeit zwischen dem Architekten Peter Zumthor und dem Fotografen Hans Danuser; und über das Terrain vague in der Arbeit von Lara Almarcegui. Fotografen haben den Fokus auf verlassene Orte gerichtet, die Leere, Abwesenheit, aber den Raum des Möglichen und der Erwartung evozieren. Diese Versprechen unterstützen im Vorfeld der Architektur. Die Zusammenarbeit der Architektur mit anderen Disziplinen kann im Prozess des Entwerfens Möglichkeiten öffnen.

Mittels der Fotografie lassen sich auch in der Peripherie von Ilanz Bilder von industrieller Erhabenheit entdecken. Sie verführen. Nur welche Qualitäten bringen diese Orte als Lebensräume mit sich?
Wir wollen zunächst verschiedene Ansätze beiziehen um das Terrain von Ilanz zu ergründen und zu erspüren. Starke Orte im Gürtel um den Kern von Ilanz sind dann das Ziel des Entwurfs. Die Qualität gebauter Räume liegt in der Beziehung zu verschiedenen Entitäten im wahrnehmbaren Kontext. Durch die Hinwendung zu den Dingen entstehen Werte, die in einem vielschichtigen Gewebe mehr sind als Funktion und Form. Architektur entsteht aus einer vielfältig genährten Autonomie des Ortes – eine Autonomie, die vom lokalen Kontext und seinen Bedingungen, aber auch von äusseren Einwirkungen getragen wird.

Architektur ist wirksam. Sie kann Botschaften senden. Und Architektur tut das konkret: am Bauen. Die Kompetenz der Architekten ist das Bauen. Bauen heisst nebst der ästhetischen Dimension aktuelle Probleme aufzuspüren und zu diskutieren.
Gerade im Fall der Peripherie von Ilanz reicht ein technischer, wissenschaftlicher oder wirtschaftlicher Diskurs nicht aus. Die Politik ist herausgefordert neue Wege zu suchen. Das Hier und Jetzt ist zugunsten einer lebenswerten Stadt zu überwinden. Wir suchen Veränderungen durch die Architektur.

Arbeitsort: Atelier Gisel, Streulistrasse 74a, 8032 Zürich
Assistierende: Lorenz Jaisli, Timon Reichle, Franziska Wittmann 
Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Dr. Josef Perger
Anzahl Studierende: 18
Unterrichtssprache: deutsch
Arbeitsweise: Einzelarbeit
Einführung: Dienstag, 18. Februar 2020, Atelier Gisel, 10 Uhr.
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