D-ARCH spacer Professor Gion A. Caminada
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ORTE SCHAFFEN

Orte schaffen ist ein Projekt für den Dialog zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Handwerk, Architektur und anderen Disziplinen. Die Kernidee besteht darin, Räume zu schaffen, die einen unmittelbaren Bezug zu ihren Bewohnern haben. Wir vertreten die Überzeugung, dass der Mensch erst aus dem Überschaubaren heraus fähig und bereit ist, wirksame Motivationen zu entwickeln und schlussendlich Verantwortung für den eigenen Ort und für die Umwelt zu übernehmen. Dabei sind wir uns bewusst, dass dieses Überschaubare nicht für alle Aspekte der menschlichen Existenz in dieser Welt steht. Das Projekt Orte schaffen will an spezifischen Themen forschen, die uns bewegen und die wir als verantwortlich für die Vernichtung von Differenzen und kultureller Vielfalt betrachten. Die Kooperation zwischen Forschern, Spezialisten aus den verschiedensten Fachgebieten, Lehrern und Studierenden, Planern und Entscheidungsträgern wird gesucht und soll möglichst konkret und praxisorientiert sein.

 

Illustration

 

ORTE SCHAFFEN III
HS 2010
Das Fenster

Die Frage des Fensters resp. der Wandöffnung stellt sich früh im Entwurfsprozess. War man über Jahrhunderte hinweg stark eingeschränkt in der Herstellung dieses anspruchsvollen Bauteils, so scheint das Fenster heute durch die Wahlmöglichkeit der Materialien und durch den Einsatz der Technik weder ein Problem noch eine Herausforderung darzustellen.

Der Wunsch der Moderne nach unbegrenzter Sichtbarkeit und nach einem unmittelbaren Übergang von innen nach aussen hat das Fenster auf die «Öffnung» reduziert – bestenfalls überlebte es als das die Landschaft rahmende «Bild» im Raum. Als blosses technisches, normiertes Element wird das Fenster in der heutigen Energiedebatte diskutiert. Durch diese nur rationale und intellektuelle Betrachtungsweise wird dem Wohnen die letzte der elementaren Erfahrungen genommen, die einem mit den Rhythmen der Natur verbundenen Leben selbstverständlich waren.

Mit dem Verlust der vom Fenster ermöglichten Sinneswahrnehmung, die in der Polarität zwischen innen und aussen und in der Bewältigung der besonderen Naturbedingungen entsteht, verschwinden zudem die vom Ort geprägten baulichen Differenzen. Das Fenster als Teil des Hausgesichtes, ist ein wichtiges Merkmal der regionalen und kulturellen Zugehörigkeit. Das Appenzellische Fenster als Beispiel zeugt von einem anderen Ort als das Fenster am Bündner Haus.

Das Fenster hatte auch eine wichtige soziale und gemeinschaftsgenerierende Funktion. Mit dem Verschwinden des kollektiven Wertes und mit der Hinwendung der Architektur zum Objekthaften, ist auch der gegenseitige Respekt innerhalb der baulichen Kontexte verschwunden. Die Frage nach dem Lebensgefühl meiner Nachbarn, stellt sich kaum mehr, wenn ich mich ins Schaufenster setze. Es geht hier einzig um die Nutzung der baulichen Substanz für mich selber.

 

Während des Semesters möchten wir nun vom Fensterbild zum Fensterplatz zurückfinden. Das bedeutet nichts anderes als die Ergründung der physischen und der generierbaren psychischen Qualitäten des Fensters. In einer ersten Phase gehen wir der Geschichte des Fensters nach. Wir fragen uns, inwieweit die technische Entwicklung unser Empfinden und letztendlich unsere Kultur beeinflusst hat. Die neuesten Errungenschaften der Glasproduktion sind für uns genauso von Interesse wie die Suche nach dem vernünftigen Mass der Wandöffnung in der Zeit der Energiedebatte. Wir werden versuchen die Qualität des Lichtes zu ergründen. Welche Rolle spielt das Verhältnis von dunkleren zu helleren Räumen in der Empfindung und im Hinblick auf die Ausreizung der Lichtqualität? Ein Einblick in die barocke Malerei soll uns die Augen für den zielgerichteten, absichtlichen, kontrollierten, präzisen, strategischen Einsatz von Licht öffnen.

Am Anfang des Semesters bearbeitet jeder der 12 Studierenden ein Thema zum Fenster. Diese Arbeiten werden wir an zwei Kritiktagen intensiv besprechen, bevor wir zur eigentlichen Entwurfsaufgabe übergehen. Wir entwerfen Gebäude mit spezifischen Nutzungen an drei klimatisch und kulturell unterschiedlichen Standorten.

 

Arbeitsort: Atelier Gisel, Streulistrasse 74a, 8032 Zürich
Assistenten: Thomas Stettler, Silvan Blumenthal
Anzahl Studierende: 12
Aufgabentyp: O/I
Einführung: Dienstag, 21. September 2010, 10:00 im Atelier Gisel

 

Download: PDF


24.08.2010 webmaster@arch

 

 
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